Analyse Aktien Lithium

Lithium: Preissturz als Einstiegschance?

Ein Beitrag von tzimmer 16 07.10 - 24:42

Lange Zeit kannte die Kursentwicklung vieler Lithium-Werte nur eine Richtung: aufwärts. Trotz weiterhin steigender Nachfrage führte ein Überangebot des Rohstoffs im vergangenen Jahr zu einem Preisverfall und zog infolgedessen auch die Bewertungen vieler Lithium-Produzenten mit nach unten. Dabei soll die Nachfrage nach Lithium auch in den kommenden Jahren weiter steigen. Könnte der Preissturz bei den Aktien zu guten Einstiegsgelegenheiten für Anleger geführt haben?
 
ALBEMARLE CORP. REGISTERED ...
 
 
Sociedad Quimica y Minera de C...
 

Hinsichtlich des Handels mit einer Reihe von Edelmetallen hat sich auf dem Markt derzeit eine seltene Konstellation ergeben. Obwohl die Nachfrage nach wie vor groß ist und weiter moderat wächst, fielen die Preise zuletzt für viele der Rohstoffe auf Rekord-Tiefstpreise. Dieses Szenario trifft derzeit auch auf den globalen Lithium-Handel zu. Im Verlauf des letzten Jahres verbilligte sich Lithium um circa 40 Prozent. Trotz positiven Nachfragewachstums und eines durch Entwicklungen wie der Elektromobilität weiterhin intakten Aufwärtstrends, führte dies bei den Lithiumproduzenten zu einem Einbruch der Gewinnmargen. Viele der Aktien, die im Verlauf der vergangenen Jahre aufgrund der Marktentwicklung Zugewinne verzeichnen konnten, mussten in Folge des Margeneinbruchs auch an der Börse Verluste verbuchen. Dabei sehen die Prognosen für die weitere Entwicklung des globalen Bedarfs an Lithium weiterhin positiv aus. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens BMO Capital Markets soll sich die weltweite Nachfrage nach Lithium bis zum Jahr 2025 auf 914 Kilotonnen erhöhen. Im Jahr 2018 lag der globale Bedarf noch bei etwas mehr als 290 Kilotonnen. Das Problem stellt derzeit die Überversorgung des Marktes dar. Allein in Australien, dem Land mit dem aktuell größten Lithium-Output, nahmen in den vergangenen beiden Jahren 6 größere Lithium-Minen die Förderung auf. Sollten sich die Prognosen für die zukünftige Bedarfsentwicklung jedoch bewahrheiten, könnte die Nachfrage in den kommenden Jahren den Output wieder „einholen“ und zu einer Erholung des Preisniveaus führen. Die Aktienpreise der weltweit wichtigsten Produzenten sind in Folge der oben beschriebenen Entwicklung stark gesunken. Könnte hierdurch eine Gelegenheit zum Einstieg in den Markt entstanden sein?

Die Livent Corporation stellt ein Spin-Off aus dem amerikanischen Chemiekonzern FMC Corporation dar. Im vergangenen Jahr entschloss sich das FMC-Management, seine Sparte für Lithium-Produkte und -Lösungen in dieser neu gegründeten Tochtergesellschaft auszulagern und an die Börse zu bringen. Seit der Platzierung am Markt im Mai dieses Jahres hat Livent dabei bisher circa 20 Prozent seines Einstandswertes eingebüßt. Als einen der Hauptgründe hierfür könnte man die im Rahmen des ersten Quartalsbericht getätigte Prognose des Managements sehen, nach der für das verbleibende Geschäftsjahr mit verringerten Umsätzen in Folge niedrigerer durchschnittlicher Absatzpreise zu rechnen sei. Im Zuge dieser Ankündigung sah sich das Unternehmen darüber hinaus auch Vorwürfen ausgesetzt, man habe diese Informationen bewusst vor dem IPO im Mai zurückgehalten. Das Bekanntwerden rechtlicher Auseinandersetzungen in diesem Zusammenhang könnte ebenfalls seinen Teil zum Kursrutsch der Aktie beigetragen haben. Bezüglich der Umsätze konnte Livent im zweiten Quartal aber zumindest im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent zulegen, die Umsätze in Q2 beliefen sich auf 114 Millionen US-Dollar. Weniger erfreulich sind in diesem Zusammenhang die stark gestiegenen Vertriebskosten, welche sich im Vergleich zum vergangenen Jahr um 48 Prozent erhöht haben. Um seine Kunden zu bedienen musste Livent teilweise selbst Lithium ankaufen, wodurch der Nettogewinn pro Aktie um insgesamt 65 Prozent auf 11 US-Cent zurückging. Dennoch könnte man die hohe Nachfrage nach Produkten der Livent Corporation auch positiv einschätzen, zudem steht das Unternehmen laut Managementangaben kurz vor einer beträchtlichen Erhöhung der Produktionsraten in Argentinien, wodurch Livent zukünftig hier jährlich 1.000 Tonnen an Lithiumcarbonat-Äquivalent fördern könnte. Diese zusätzlichen Kapazitäten könnten die Profitabilität des Absatzes künftig wieder verbessern. Die Erhöhung der Produktionskapazitäten scheinen für Livent derzeit eine hohe Priorität darzustellen. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres investierte man insgesamt gut 74 Millionen US-Dollar, womit sich die Vorjahresausgaben verdreifacht haben. Derzeit äußern nicht wenige Analysten Besorgnis darüber, dass die Nachfrage nach Lithium branchenweit in den kommenden Jahren nicht mit dem Ausbau der Produktionskapazitäten Schritt halten könnte. Für dieses Phänomen könnte man Livent attestieren, allgemein besser vorbereitet zu sein als einige, vor allem kleinere, Konkurrenten. Einerseits verfügt Livent über eine solide Marktposition und eine gute Ausstattung an Projekten und Infrastruktur, andererseits steht mit dem Mutterkonzern FMC ein Großkonzern mit, nach aktuellem Stand, guter Geschäftsentwicklung hinter dem Unternehmen. Wie die Besucherzahlen der wichtigsten Messe der Branche, der „Lithium Supply and Markets Conference“ in Chile, zeigten, lockt das Themenfeld Lithium derzeit nur noch überschaubare Mengen an Fremdkapital von Investoren und Fonds an. Die hohen Förderkosten und Anfangsinvestitionen im Zusammenhang mit der Lithium-Förderung könnten infolgedessen eine Markteintrittsbarriere für neue Wettbewerber bilden und zu einem Angebotsrückgang führen, wodurch das Szenario des Überangebots zumindest abgemildert und die Preise für Lithium stabilisiert werden könnten. Unter den Rahmenbedingungen einer global stetig weiterwachsenden Nachfrage nach Lithium könnte Livent also trotz der aktuellen Probleme eine Überlegung wert sein, zumal sich die Aktie in den vergangenen Monaten verbilligt hat. Den Fokus könnten Investoren in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung der Vertriebsaufwendungen des Unternehmens legen.

ALBEMARLE CORP. REGISTERED SHARES O.N. (WKN 890167) (US0126531013)

Der weltweite größte Lithiumproduzent, Albemarle, wurde zwangsläufig ebenfalls durch die fallenden Preisen belastet. Insgesamt büßte das Unternehmen im vergangenen Jahr etwa 33 Prozent seiner Marktkapitalisierung ein, seit dem Höchststand aus dem Jahre 2017 sogar mehr als 50 Prozent. Als Reaktion auf die veränderten Marktbedingungen hat Albemarle seine Wachstumsstrategie umgestellt. Zuvor war eine Erhöhung der Produktionskapazität um jährlich 125.000 Tonnen geplant, welche unter anderem durch die Erschließung zusätzlicher Vorkommen auf dem australischen Kontinent realisiert werden sollten. Nach der neuen Planung soll es zunächst bei den beiden großen Minen in Nevada sowie in Chile bleiben, die Einsparungen sollen sich in den nächsten Jahren auf circa 1,5 Milliarden US-Dollar belaufen. Durch diese Strategie versucht das Management, bis zum Jahr 2021 wieder positiven Cash-Flow zu generieren. Durch die Aufgabe der Expansionspläne versucht Albemarle, seine Profitabilität zu erhöhen, wodurch das Unternehmen zukünftig, bei einem günstigeren Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Lithiummarkt überproportional profitieren könnte. Von der Planänderung in Bezug auf die Expansion abgesehen, scheint Albemarle an der langfristigen Zielsetzung festzuhalten, sich zu einem reinen Lithium-Produzenten zu wandeln. Derzeit betreibt man auch noch die Unternehmenssegmente für Flammschutzmittel und Katalysatoren. Mit dem Lithium-Geschäft generiert Albemarle momentan nur etwa 40 Prozent seiner Umsätze. Auf ihren jeweiligen Sektoren zählen die beiden Geschäftsbereiche ebenfalls zu den Marktführern. Die Sparte für Brom-Spezialprodukte erzielte im vergangenen Geschäftsjahr ein EBITDA in Höhe von 297 Millionen US-Dollar, das EBITDA des Bereichs für Katalysatoren betrug 276 Millionen US-Dollar. Hinsichtlich der Strategiebildung besitzt dieser Umstand für Albemarle zwei positive Aspekte. Einerseits federn die zusätzlichen Geschäfte die rückläufigen Margen aus dem Absatz des Lithiums ab, andererseits könnte ein Verkauf der Geschäftsbereiche, welcher vom Management in der Vergangenheit bereits öffentlich erwogen wurde, Kapital zum Ausbau der Lithium-Sparte einbringen. Auf ihren jeweiligen Sektoren zählen die beiden Geschäftsbereiche ebenfalls zu den Marktführern. Die Sparte für Brom-Spezialprodukte erzielte im vergangenen Geschäftsjahr ein EBITDA in Höhe von 297 Millionen US-Dollar, das EBITDA des Bereichs für Katalysatoren betrug 276 Millionen US-Dollar. Hinsichtlich der Strategiebildung besitzt dieser Umstand für Albemarle zwei positive Aspekte. Einerseits federn die zusätzlichen Geschäfte die rückläufigen Margen aus dem Absatz des Lithiums ab, andererseits könnte ein Verkauf der Geschäftsbereiche, welcher vom Management in der Vergangenheit bereits öffentlich erwogen wurde, Kapital zum Ausbau der Lithium-Sparte einbringen.

Sociedad Quimica y Minera de Chile SA SOQUIMICH (US8336351056)

Dem allgemeinen Markttrend konnte sich auch der chilenische Produzent Sociedad Química y Minera, besser bekannt unter dem Kürzel SQM, nicht entziehen. Auch die SQM-Aktie verbilligte sich im Laufe der vergangenen 12 Monate um etwa 40 Prozent. Kürzlich zeigte sich das Management des chilenischen Konzerns jedoch unbeirrt von der aktuellen Preissituation für Lithium. Zu Beginn des Monats kündigte SQM an, in den kommenden 5 Jahren insgesamt 2,1 Milliarden US-Dollar in ein Programm zur Ausweitung seiner Produktionskapazitäten zu investieren. Etwas mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar sollen dabei in die operative Förderung investiert werden, ein Teil hierfür wird auch für die Wartung der bestehenden Infrastruktur bereitgestellt. Bis zum Jahr 2025 will SQM seine jährliche Produktionskapazität auf 173.000 Tonnen steigern. Offensichtlich geht die Unternehmensführung hinsichtlich der aktuellen Lage lediglich von einer Korrekturphase und Konsolidierung des Marktes aus. Gefördert werden soll diese Kapazität in Chile und den australischen Projekten des Unternehmens. In der unmittelbaren Zukunft dürfte sich jedoch auch SQM mit den Investitionen zurückhalten und auf seine Profitabilität achten. So wurden die Erschließungsarbeiten für weitere Projekte in der chilenischen Atacama-Wüste zurückgefahren. Die bedeutende Erweiterung, welche sich auf eine jährliche Produktion von 50.000 Tonnen belaufen soll, wird nun auf eine Fertigstellung für das Ende des Jahres 2021 ausgerichtet. Der ursprüngliche Termin für die Inbetriebnahme war auf Ende 2020 festgesetzt. Der Vorstand betonte, dass die Verzögerung in keinem Zusammenhang mit der aktuellen Preis- und Angebotssituation stehe, angesichts der Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr dürfte dieser Umstand dennoch Bestandteil der Entscheidungsfindung gewesen sein. Wie viele der Konkurrenten setzte auch SQM im zweiten Quartal des aktuellen Jahres mehr Lithium als im Vorjahr ab, und sah sich dennoch mit einem beträchtlichen Gewinnrückgang konfrontiert. Der Gewinn der Gesellschaft sank um 47,5 Prozent auf 70,2 Millionen US-Dollar. Im Vorjahr hatte er noch bei 133,9 Millionen US-Dollar gelegen. Gleichzeitig ging auch der Umsatz um 23 Prozent zurück. SQM wurde von den jüngsten Preissenkungen für Lithium dabei tendenziell sogar härter getroffen als viele der Konkurrenten. Der chilenische Produzent verkauft seine Erzeugnisse über Spot-Preise, als zu dem jeweils gültigen, aktuellen Preis. Viele Konkurrenten, so etwa auch Albemarle, schließen Laufzeit- oder Termin-Kontrakte ab und können hierdurch ihre Absatzpreisentwicklung etwas glätten. Sollten die Preise für Lithium in Zukunft wieder steigen, wovon das SQM-Management zu überzeugt sein scheint, könnte SQM allerdings auch wesentlich früher von den Entwicklungen profitieren.

Die derzeitige Phase muss für die analysierten Unternehmen mittel- bis langfristig nicht unbedingt negative Auswirkungen haben. Der starke Ausbau der Produktionskapazitäten ist in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen, kleinere Wettbewerber könnten durch die Niedrigpreisphase aus dem Markt gedrängt werden und das global rückläufige Investitionsniveau könnte bedeuten, dass sich die etablierten Produzenten in der näheren Zukunft mit einem geringeren Konkurrenzdruck neuer Wettbewerber konfrontiert sehen könnten. Sollte eine Preiserholung in Folge eines „Aufholens“ der Nachfrage auf den aktuellen Output stattfinden, könnten alle genannten Produzenten profitieren, da das operative Geschäft bei allen nach wie vor im Wachstum befindlich ist. Für Anleger stellt in diesem Zusammenhang der Lithium-Preis ein äußerst wichtiges Kriterium dar, welchem bezüglich einer Entscheidung zu Einstieg eine hohe Bedeutung zugemessen werden sollte.


DruckversionArtikel melden

0 Kommentare Kommentar verfassen

x