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E-Mobilität: deutsche Hersteller blasen zum Angriff!

Ein Beitrag von tzimmer 16 13.06 - 21:52

Lange Zeit sahen sich die deutschen Automobilhersteller mit dem Vorwurf konfrontiert, die Thematik E-Mobilität nicht mit ausreichendem Elan zu verfolgen. Als Folge steigender technischer Möglichkeiten, Konkurrenzdrucks und geplanter Gesetzesvorhaben zur Zulassung und Regulierung von Verbrennungsmotoren investiert nun auch die deutsche Automobilindustrie massiv in die Weiterentwicklung der eigenen Konzepte. Wie sehen die Ansatzpunkte der großen Konzerne dabei im Detail aus?
 
VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTI...
 
 
Bayerische Motoren Werke AG
 
 
Daimler AG
 

Während der letzten Tage des kürzlich durchgeführten Europawahlkampfs stand das Thema Klimaschutz wieder besonders stark im Fokus der Öffentlichkeit. Im Zuge der Bemühungen zur Erreichung der global vereinbarten Klimaziele spielt die Elektromobilität eine zentrale Rolle. In den vergangenen Jahren sind für die breite Einführung der Technologie wichtige Voraussetzungen und Anreize geschaffen wurden, beispielsweise die Ankündigung Chinas, ab 2030 keine Neuzulassungen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor mehr zu erlauben. Auch Erfolge konnten vereinzelt in dieser Zeit erzielt werden. So stieg die Quote an elektrifizierten Neuzulassungen in Norwegen auf knapp 40 Prozent an, das skandinavische Land plant ein Zulassungsverbot der Verbrennungsmotoren sogar bereits für das Jahr 2025. Die deutsche Automobilindustrie zeigte in Bezug auf die Elektromobilität im Vergleich zu einigen Konkurrenten lange Zeit eine abwartende Haltung. Wohl auch begünstigt durch die geänderten Rahmenbedingungen und eines zügigen Ausbaus des Produktangebotes der Konkurrenz zeigte die deutsche Autoindustrie in den vergangenen Monaten und Jahren nun jedoch erhöhte Investitions- und Forschungsaktivitäten. Einer Untersuchung der Unternehmensberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „Ernst & Young“ zufolge steckten die drei größten deutschen Automobilkonzerne BMW, Daimler und Volkswagen seit Beginn des Jahres 2016 insgesamt mehr als 11 Milliarden Euro in 29 verschiedenartige Entwicklungsprojekte im Zusammenhang mit der E-Mobilität. Des Weiteren kündigten die Hersteller für die kommenden Jahre auch umfassende Investitionsmaßnahmen in die Produktionsstätten an, um die Serienfertigung größerer Mengen an Elektrofahrzeugen zu ermöglichen. Für die deutsche Automobilindustrie stellt der zunehmende Umstieg auf Elektroautos eine Herausforderung zur Verteidigung ihrer Marktposition dar. Laut der Unternehmensberatung „A.T. Kearney“ ist für das Jahr 2020 ein Anteil der elektrifizierten Fahrzeuge an den globalen Neuzulassungen in Höhe von 10 bis 15 Prozent im Bereich des Möglichen. In diesem Szenario würde sich das globale Marktvolumen der E-Mobilität auf bis zu 340 Milliarden US-Dollar belaufen. Im Rahmen dieses Beitrags soll ein Blick auf die aktuellen Entwicklungen und Aktivitäten der deutschen Automobilproduzenten in Bezug auf elektrifizierte Fahrzeuge geworfen werden. Hierdurch soll ersichtlich werden, inwiefern die einzelnen Hersteller das Themengebiet momentan angehen und welche Innovationen und Neueinführungen in den kommenden Jahren zu erwarten sind.

VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N. (WKN 766403) (DE0007664039)

Der Volkswagen-Konzern besitzt für den deutschen Automobilmarkt eine hohe Bedeutung. Das breite Spektrum an unterschiedlichen Marken deckt sämtliche Kundensegmente des Fahrzeugverkaufs ab, durch den konzernübergreifenden Plattformbau finden Innovationen des Konzerns Anwendung in einer großen Anzahl verschiedener Fahrzeugmarken und -modelle. Global betrachtet spielen für den Massenmarkt dabei vor allem die Kernmarke Volkswagen und Audi eine zentrale Rolle. In den 1970er und 80er Jahren spielte VW eine wichtige Rolle bei der Etablierung des Dieselmotors, diese Technologie nimmt im Portfolio des Unternehmens auch heute noch eine wichtige Stellung ein. Nach dem Dieselskandal, welcher den Wolfsburger Konzern schwer erschütterte, nimmt VW nun eine Kursänderung vor und setzt von den deutschen Automobilproduzenten derzeit am umfänglichsten auf das Thema E-Mobilität. à Erstmals berief das Unternehmen einen Vorstand für das Themengebiet E-Mobilität, ab 2020 soll der Marktstart der neuen elektrischen Modellfamilie namens „ID.“ erfolgen. Wie zuvor setzt VW auch im Rahmen dieser neuen Modellgeneration auf das Plattformkonzept und entwickelte hierzu den „Modularen Elektroantriebs-Baukasten“ (MEB). Folglich könnten die neuen Konzepte im Falle des Markterfolgs, wie bisher auch, in den kommenden Jahren auf die Schwestermarken wie Seat oder Skoda übertragen werden, wodurch sich das Absatzpotenzial weiter erhöhen könnte. Konkret sieht der derzeitige Planungsstand bis zum Ende des Jahres 2022 mehr als 25 Fahrzeuge für die Marken Audi, Seat, Skoda und VW vor. In der ersten Phase bis zum Jahr 2026 möchte Volkswagen auf diese Weise bis zu 10 Millionen Elektroautos absetzen. Um diese Zahlen zu erreichen, setzt die Konzernführung in den kommenden Jahren auf ein umfassendes Investitionsprogramm in die Fertigungsinfrastruktur. Global sollen im Zuge der Maßnahme 16 Standorte auf die Bedürfnisse der Elektromobilität angepasst werden, etwa 6 Milliarden Euro sind hierfür eingeplant. Durch das Angebot von Modellen unterhalb der 30.000 Euro-Grenze erhofft sich Volkswagen eine schnelle Verbreitung der neuen Fahrzeugtechnik. Möglich machen soll dies das Kompaktmodell ID.3. Während die seit kurzer Zeit vorbestellbare „1st“-Version preislich bei etwa 40.000 Euro liegt (inklusive kostenlosem Nachladen für ein Jahr oder bis zu 2.000 kWh), soll die Einstiegsversion sich später ab 29.900 Euro ordern lassen. Zu Beginn wird ein 125 kW starker Motor den ID.3 antreiben, welcher mit 3 verschiedenen Akkuvarianten kombiniert werden kann. Die maximal mögliche Reichweite für das größte Akkupaket beziffert Volkswagen auf 550 Kilometer. Eine besondere Rolle nimmt im Rahmen des Markenportfolios traditionell Audi ein. Zielgruppe des Unternehmens aus Ingolstadt ist das Premiumsegment, in dem die Preissensibilität der Kundschaft etwas weniger stark ausgeprägt ist als im Massensegment. Dies könnte es dem Konzern ermöglichen, technisch aufwändigere Konzepte umzusetzen und das Markenimage in Richtung Innovationsführerschaft zu optimieren. Bis 2025 will Audi 12 vollelektrische Fahrzeuge anbieten, hierbei sollen sämtliche Fahrzeugmodelle und Marktsegmente abgedeckt werden. Den Startschuss setzte das Unternehmen bereits Ende des vergangenen Jahres, mit der Markteinführung des „e-tron“. Konzernintern wird es hierbei auch eine enge Kooperation mit Porsche geben, im Rahmen des Joint Ventures „Premium-Architektur Elektrifizierung“.

Daimler AG (DE0007100000)

Wie Audi präsentierte auch Mercedes-Benz im vergangenen Jahr sein erstes vollelektrisches SUV. Seit Mai kann der „EQC“, als erstes Modell der neuen Markenbezeichnung „Mercedes-Benz EQ“, bestellt werden. Zeitgleich begann in Bremen auch die Produktion des Fahrzeugs. Ähnlich zur Konkurrenz setzt sich auch die Daimler AG ehrgeizige Ziele bezüglich der Entwicklung und des Absatzes von Elektroautos. Bis 2022 sollen mehr als zehn Fahrzeuge der Modellpalette elektrisch sein, die EQ-Modellfamilie soll im Jahr 2025 ein Viertel aller verkauften Daimler-Fahrzeuge ausmachen. Die Reichweite des von zwei Motoren angetriebenen EQC liegt mit 450 Kilometern auf einem akzeptablen Niveau und könnte für den Angriff auf das Model 3 aus dem Hause Tesla ausreichend sein. In einem ersten Schritt wird Daimler in den kommenden Jahren auch auf Diesel-Hybride setzen, diese sollen zeitnah in den absatzstarken Modellen C- und E-Klasse realisiert werden. Knapp 60 Kilometer und bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h sollen diese Fahrzeuge elektrisch fahren können. Im Falle des Kleinwagens Smart möchte der Konzern ab 2020 in Europa nur noch elektrisch angetriebene Fahrzeuge verkaufen. Um einen schnelleren und umfangreicheren Einstieg in das vollelektrische Kleinwagensegment zu schaffen, könnte eine unternehmensübergreifende Kooperation mit BMW helfen. Branchenintern halten sich Gerüchte, dass die beiden Konzerne ihre Zusammenarbeit in Bezug auf Mobilitätsdienstleistungen auch auf die gemeinsame Entwicklung einer Kleinwagen-Plattform ausweiten könnten. Der Investitionsaufwand ist auch im Falle von Daimler beachtlich. Für den Kauf von Batteriezellen hat der Konzern kürzlich Verträge geschlossen, die bis zum Jahr 2030 ein Gesamtvolumen von bis zu 20 Milliarden Euro annehmen könnten. Zudem ist perspektivisch der Bau sieben weiterer Batteriefertigungszentren geplant, wofür die Kosten auf etwa eine Milliarde Euro taxiert werden. Auch bezüglich der Nutzfahrzeug-Sparte zeigte sich Daimler jüngst innovationsfreudig. Zu Beginn des Jahres präsentierte man etwa den elektrischen LKW „Cascadia Freightliner“, der bei einer Leistung von 700 PS und einem Gewicht von bis zu 20 Tonnen eine Reichweite von 400 Kilometern aufweist. Auch im Bereich der E-Busse arbeitet das Unternehmen intensiv an Konzepten und Prototypen. Die Sparte der Nutzfahrzeuge hebt Daimler etwas von der innerdeutschen Konkurrenz ab, da auch die Nutzfahrzeuge unter dem Markennamen Mercedes-Benz vertrieben werden, wenngleich der VW-Konzern mit Scania und M.A.N. ebenfalls Nutzfahrzeughersteller mit bedeutenden Marktanteilen in seinem Beteiligungsportfolio aufweist.

Bayerische Motoren Werke AG (DE0005190003)

Einst nahm BMW unter den deutschen Automobilbauern in Bezug auf die Elektromobilität eine Vorreiterrolle ein. Bereits im Jahr 2013 erfolgte die Markteinführung des BMW i3, welcher in den vergangenen Jahren zu den meistverkauften Elektroautos weltweit zählte. Hohe Produktionskosten sowie ein sehr schleppend verlaufendes Marktwachstum führten jedoch schließlich dazu, dass sich der Münchener Konzern dazu entschloss, den Kern der „i“-Modellreihe in Richtung Vernetzung und autonomem Fahren zu verlegen. Die geänderten Markt- und Rahmenbedingungen verleiten nun aber auch BMW wieder zu erhöhten Bemühungen in Sachen E-Mobilität. In einem ersten Schritt wurden im März dieses Jahres auf dem Genfer Automobilsalon für diverse Modellfamilien überarbeitete oder neue Plug-In-Hybrid-Antriebe vorgestellt. Für Ende 2019 ist eine vollelektrische Mini-Version geplant, 2020 soll der iX3 eingeführt werden, welcher in China gefertigt werden wird. Im Jahr 2021 sollen zudem der iNext und der i4 das Angebot an elektrifizierten Fahrzeugen erweitern. Bis 2025 sind 12 vollelektrische Fahrzeuge geplant. Derzeit liegt der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge am BMW-Gesamtabsatz bei rund 6 Prozent, sofern man die Plug-In-Modelle mit in die Rechnung einbezieht. Bis zum Ende des laufenden Jahres möchte man die Marke von 500.000 ausgelieferten elektrifizierten Autos erreichen. Hinsichtlich der Reichweiten seiner geplanten vollelektrischen Modelle bereitet BMW einen Angriff auf Tesla vor. In Zusammenarbeit mit dem chinesischen Unternehmen CATL soll die Reichweite des iNext bis zu 700 Kilometern betragen, ein bisher bei Serienautomobilen mit dieser Leistungsfähigkeit nicht erreichter Wert. Bezüglich der Entwicklung eines leistungsfähigen Antriebskonzepts verkündete BMW kürzlich eine Kooperation mit der Jaguar-Land Rover-Gruppe. Entwicklungsbasis wird dabei das eDrive-Konzept aus dem Hause BMW sein. Von der Zusammenarbeit erhoffen sich beide Konzerne Skaleneffekte bei der Entwicklung und der Produktion von E-Antrieben sowie eine verbesserte Verhandlungsposition beim Komponenteneinkauf. Ähnlich wie Volkswagen setzt auch BMW im Zusammenhang mit der E-Mobilität auf den Plattformbau. Für frontgetriebene Fahrzeuge soll diese Plattform FAAR-WE, für sonstige Antriebsarten CLAR-WE heißen. Der Forschungs- und Entwicklungsaufwand, den der bayrische Konzern betreibt, ist beachtlich. Vergangenes Jahr wurden circa 7 Prozent des Konzernumsatzes in diesem Bereich ausgegeben. Zu diesen Ausgaben zählten aber auch weitere Forschungsbereiche wie die Vernetzung von Fahrzeugen oder das Autonome Fahren. 


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