Analyse Aktien CO2-arme Energie

CO2-arme Energien: Auch für Anleger interessant?

Ein Beitrag von tzimmer 16 28.08 - 21:11

Im Rahmen der globalen Zielsetzungen bezüglich der Einsparung von CO2 kommt der Energieproduktion eine zentrale Rolle zu. Der weltweit nach wie vor steigende Energiebedarf erfordert daher mittel- und langfristig neue Lösungen zur Gewinnung von Energie, nach Möglichkeit sollten diese emissionsfrei sein. Ein Blick auf einige moderne Technologien in diesem Bereich soll klären, ob diese für Anleger bereits heute eine Alternative darstellen könnten.
 
Ormat Technologies Inc
 
 
Vestas Wind Systems A/S
 
 
Verbund AG
 
 
2G ENERGY AG
 

Eine der wichtigsten Komponenten hinsichtlich der Reduzierung des CO2-Ausstoßes liegt im Themengebiet der Energieerzeugung. Der Energiebedarf, vor allem nach elektrischem Strom, könnte in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch weiter ansteigen. Eine zunehmende Urbanisierung, das weltweite Bevölkerungswachstum, die Elektrifizierung von Verkehrsmitteln, aber auch stetig wachsender Energiebedarf zur Unterhaltung unserer Kommunikations- und Datenverarbeitungsnetze könnten als beispielhafte Ursachen für diese Entwicklung herangezogen werden. Von einer solchen Entwicklung des globalen Energiebedarfs geht derzeit auch die internationale Energieagentur IEA aus. Ende des vergangenen Jahres schätzte die IEA, im Rahmen ihres Ausblicks für die kommenden beiden Jahrzehnte, die Zunahme des weltweiten Energiebedarfs bis zum Jahr 2040 auf circa 25 Prozent. Über diesen Prognosezeitraum hinweg würde ein Investitionsvolumen von mehr als 2 Billionen US-Dollar benötigt werden, um diesem Bedarf gerecht zu werden. Gerade im Bereich der Erneuerbaren Energien und der CO2-armen Energieproduktion könnte diese Prognose für weiteres Wachstum sorgen. Die IEA prognostiziert, dass etwa zwei Drittel der neu aufgebauten Kapazitäten auf diese beiden Sektoren entfallen werden. Im Folgenden sollen daher mehrere Unternehmen analysiert werden, welche sich im Bereich dieser alternativen Energiegewinnung betätigen. Ein Blick auf das Geschäftsmodell sowie die derzeitige Geschäftslage könnte hierbei Informationen zu Tage fördern, welche für interessierte Anleger Relevanz besitzen.

2G ENERGY AG (DE000A0HL8N9)

Das erste Unternehmen im Rahmen dieser Betrachtung ist dabei in Deutschland ansässig. Die 2G Energy AG betätigt sich im Bereich der Blockheizkraftwerke, basierend auf dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Bei diesem System handelt es sich um eine Erdgasheizung, welche neben Wärme auch elektrischen Strom produziert und diesen, je nach Bedarf, entweder in das jeweilige Hausnetz oder das öffentliche Stromnetz einspeist. Mit diesem Konzept sah sich 2G Energy in den vergangenen Monaten und Jahren einem steten Umsatzwachstum ausgesetzt. Im vergangenen Jahr stieg das Auftragsvolumen dabei um 21 Prozent, zu Beginn des aktuellen Geschäftsjahrs umfasste der Auftragsbestand mehr als 131 Millionen Euro. Für das Jahr 2019 liegt die Zielsetzung bezüglich des Umsatzes bei 230 Millionen Euro. Künftig möchte man auch die Profitabilität steigern. Skaleneffekte durch das steigende Auftragsvolumen und technische Lösungen zur Fernwartung installierter Systeme sollen diese Zielsetzung künftig realisieren. Sollten diese Maßnahmen Früchte tragen, könnte das Potenzial bestehen, den Kurs der letzten Jahre in Bezug auf die eigenen Unternehmenszahlen beizubehalten. Dabei konnte man auch im vergangenen Geschäftsjahr mit guten Kennzahlen überzeugen. Den Umsatz steigerte 2G Energy im Jahr 2018 um 10,8 Prozent auf knapp 210 Millionen Euro, die EBIT-Marge konnte im Zuge dessen auf 5,5 Prozent gesteigert werden. Im Vorjahr lag diese noch bei 3,9 Prozent. Im ersten Quartal des Jahres 2019 konnte zudem ein überdurchschnittlich hoher Auftragseingang verzeichnet werden, bereits jetzt kann 2G Energy für die kompletten Geschäftsjahre 2019 und 2020 im Zweischicht-Betrieb planen. Für Anleger könnten in den kommenden Quartalen insbesondere die Profitabilitätskennzahlen des Unternehmens von besonderem Interesse sein. Sofern die 2G Energy AG auch hier weitere Fortschritte verbucht, könnte man die derzeitige Situation des deutschen Unternehmens durchaus positiv einschätzen.

Ormat Technologies Inc (US6866881021)

Das im amerikanischen Bundesstaat Nevada ansässige Unternehmen Ormat Technologies beschäftigt sich auf dem Gebiet der alternativen Energiegewinnung und betreibt im Zuge dessen Geothermiekraftwerke. Darüber hinaus engagiert sich die 1965 in Israel gegründete Gesellschaft aber auch in den Bereichen Solarenergie, wo man bereits in den 1980er-Jahren aktiv war, oder der Extraktion von Rohöl aus Ölsanden. Aktuell kommt der Geothermie im Rahmen der Unternehmenstätigkeit jedoch eine hohe Bedeutung zu, neben dem Betrieb eigener Kraftwerke entwickelt und fertigt Ormat Technologies auch Komponenten für diese Kraftwerksart. Die Kraftwerke des Unternehmens befinden sich hierbei in den amerikanischen Bundesstaaten Nevada, Kalifornien und Hawaii sowie in Guatemala, Kenia, Honduras, Indonesien und Guadeloupe. Die Gesamtleistung der Kraftwerke beläuft sich derzeit auf 920 Megawatt. Technologisch präsentierte Ormat kürzlich ein neues Konzept, welches man in dieser Form bisher noch nicht umgesetzt hatte. In Nevada ging zu Beginn des Monats ein „Hybridkraftwerk“ ans Netz, das Energie sowohl über Geothermie als auch Solarenergie gewinnt und die bisherige Leistungskapazität des Standortes beträchtlich erhöht. Sollte sich dieses Konzept bewähren, könnte durch einen Ausbau der weiteren Kraftwerke des Konzerns die Gesamtkapazität mit vergleichsweise geringem Aufwand ausgeweitet werden. Dies könnte eine Möglichkeit darstellen, die eigenen ehrgeizigen Ziele bezüglich der Kapazitätssteigerung zu erreichen. Bis zum Jahr 2021 hat sich Ormat Technologies zum Ziel gesetzt, insgesamt bis zu 135 Megawatt zusätzlich produzieren zu können, 115 Megawatt sollen hierbei aus den Geothermie-Kraftwerken stammen. Zusätzliche Leistung soll aber auch durch Zukäufe gewonnen werden. In diesem Zusammenhang verkündete man kürzlich etwa den Erwerb eines 49-prozentigen Anteils an einem Geothermie-Projekt Ijen in Indonesien. Gemeinsam mit dem Unternehmen Medco Power wird man die Anlage entwickeln, welche bereits 2022 in Betrieb genommen werden soll. Die aktuellen Unternehmenszahlen unterstreichen den momentanen Wachstumskurs des Unternehmens. Im zweiten Quartal 2019 konnte man die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent auf rund 184 Millionen US-Dollar steigern. Diese Steigerung war sogar ohne den Betrieb des Puna-Kraftwerks auf Hawaii möglich, welches derzeit aufgrund eines Vulkanausbruchs noch nicht wieder in Betrieb ist. Der Bruttogewinn konnte unterdessen von 57,5 Millionen US-Dollar im Vorjahr auf nun 65,1 Millionen US-Dollar erhöht werden. Zudem besteht derzeit noch ein Auftragsbestand in Höhe von rund 200 Millionen US-Dollar, die Arbeit für die kommenden Monate erscheint somit auch bereits gesichert.

Verbund AG (AT0000746409)

Im Falle der Verbund AG handelt es sich um den größten Elektrizitätsproduzenten Österreichs. Das Unternehmen deckt mehr als 40 Prozent des gesamten Strombedarfs Österreichs und wird mit Blick auf die CO2 Effizienz durch den Umstand interessant, dass etwa 90 Prozent dieser Energie aus Wasserkraftwerken generiert wird. 51 Prozent der Verbund AG sind dabei im Besitz der Republik Österreich, wodurch der Staat das Management des Unternehmens mitbestimmt, den Wert für Übernahmeavancen jedoch auch weniger anfällig macht. Über die beiden bestehenden Hauptgeschäftsfelder hinaus versucht sich die Verbund AG derzeit auch für die Zukunft aufzustellen. Auf Initiative der österreichischen Regierung hin, die für das Jahr 2030 das Ziel ausgegeben hat, den kompletten Strombedarf durch erneuerbare Energiequellen zu decken, entwickelt man derzeit in Zusammenarbeit mit den Unternehmen OMV und Voestalpine an Projekten aus dem Themenfeld Wasserstoff. Diese Projekte sollen künftig die Energiespeicherung des aus den Erneuerbaren Energien gewonnenen Stroms sicherstellen. Über Elektrolyseverfahren soll aus Wasser mit Hilfe des Stroms Wasserstoff entstehen, welcher im Bedarfsfall zu Strom umgewandelt und ins Netz eingespeist werden kann. Momentan gehen Forschungsbemühungen dahin, dieses Speicherverfahren erheblich effizienter als aktuell zu gestalten. Unabhängig vom Erfolgsfall dieses Vorhabens könnte man es positiv interpretieren, dass der Staat Österreich sich die Förderung der erneuerbaren Energiequellen auf die Fahne geschrieben hat und die Verbund AG als größter Energielieferant des Landes an dieser Entwicklung mitbeteiligt sein dürfte. Auch ein Blick auf die aktuelle Situation des Unternehmens könnte die Mehrzahl der Anleger positiv stimmen. Die kürzlich veröffentlichten Zahlen zu den ersten beiden Quartalen des Jahres 2019 zeichneten einen positiven Geschäftsverlauf, welcher durch eine höhere Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien sowie durch steigende Strompreise begünstigt wurde. Die Preissteigerungen von CO2-Zertifikaten hatten für die Verbund AG mit ihrem Strommix einen positiven Geschäftseffekt. Das Halbjahresergebnis konnte so um fast 50 Prozent auf 338 Millionen Euro erhöht werden, auch das EBITDA stieg um rund 36 Prozent auf 686 Millionen Euro. Die Prognosen für das Konzernergebnis sowie für das EBITDA wurden im Zuge dieser Entwicklungen angehoben. Der Jahresgewinn soll sich so beispielsweise nun auf dem Korridor von 530 und 580 Millionen Euro bewegen, zu Jahresbeginn war man hier noch von Werten zwischen 470 bis 540 Millionen Euro ausgegangen. Da die Verbund AG auch zu den solideren Dividendenwerten im österreichischen Index zählt, könnte das Unternehmen aus der benachbarten Alpenrepublik für Anleger interessant sein. Das nachhaltige Geschäftsmodell, welches von der eigenen Regierung mitgetragen wird, könnte die Verbund AG in eine Position befördern, in der man auch für die Zukunft gut aufgestellt ist.

Vestas Wind Systems A/S (DK0010268606)

Vestas Wind Systems ist in Bezug auf das Thema Windenergie ein fester Begriff. Nach installierter Kapazität ist das Unternehmen derzeit der weltgrößte Produzent von Windkraftanlagen. In mehr als 80 Ländern sind Vestas-Anlagen mit einer Gesamtkapazität in Höhe von mehr als 100 Gigawatt im Einsatz. In den vergangenen Jahren sahen sich die Wettbewerber auf dem Markt für Windenergie ungünstigen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Trotz steigender Auftragszahlen und Umsätzen stand die Branche unter Margendruck. Diesen Umstand sollten interessierte Investoren für die anstehende Verkündung der Quartalszahlen für das zweite Quartal des Jahres 2019 im Hinterkopf behalten. Der Trend wurde auch im ersten Quartal des Jahres bestätigt. Obwohl Vestas mit 1,73 Milliarden Euro seinen Umsatz um 2 Prozent steigern konnte, sanken die Gewinne stark. Bedingt durch verringerte operative Gewinne sank der Gewinn auf 25 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum hatte dieser noch bei 102 Millionen Euro gelegen. Auf die einzelne Aktie bezogen bedeutete dies einen Rückgang von 4,3 Euro auf 3,0 Euro. Bezüglich des Auftragsvolumens zeigte sich auch hier ein gleiches Bild wie in der jüngeren Vergangenheit. Der Wert an Windturbinenaufträgen und Servicevereinbarungen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Milliarden Euro an und betrug zum Ende des ersten Quartals 28,3 Milliarden Euro. Zu den neu hinzugewonnenen Projekten zählte etwa der größte Auftrag der Unternehmensgeschichte auf dem indischen Markt. Im Rahmen eines 252 Megawatt umfassenden Windparkprojektes in Thattaparai erhielt Vestas einen Auftrag über die Lieferung und Installation von 126 Windturbinen. Zudem konnte Vestas eine Wartungsvertrag für die Systeme mit einer Laufzeit von 10 Jahren vereinbaren. Auch in Jordanien, Schottland (100 Turbinen), Saudi-Arabien (Turbinen mit einer Gesamtleistung von 415 Megawatt) und im US-Bundesstaat Texas konnte man in den letzten Monaten Geschäftsabschlüsse erzielen. Kurzfristig könnten für Anleger hier die Zahlen des abgelaufenen zweiten Quartals von Interesse sein. Aufmerksamkeit sollte aber auch der allgemeinen Entwicklung des Marktes für Windkraftturbinen gewidmet werden. Die Auftragsentwicklung und technische Basis von Vestas könnte man weiterhin als positiv bezeichnen. Sollten sich die Preise auf diesem Markt mittel- oder langfristig stabilisieren, könnte sich dies auch in der Bilanz des dänischen Unternehmens bemerkbar machen.


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